Loyal bis zur Monatsmitte

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Foto: Thorsten Pahlke

Ein Kommentar von Thorsten Pahlke

„Ja“ zur Regionalität. Welch ein tolles Wort. Eins, welches mitreißt und anfeuert, mitzumachen. Wir lieben es, regional zu sein. Wir unterstützen wo wir können. Wir verstehen den Zusammenhang der Wertschöpfungskette, wir sind loyal – bis zur Monatsmitte. Dann ist das Geld alle.

Ein Blick ins Kühlregal eines Supermarktes ließ mich schnell erkennen: Regionalität hat ihren Preis. Der direkte Vergleich im Regal zeigte es mir eiskalt im Kühlregal. Dort stand die Horster Butter neben der Eigenmarke des Marktes und was soll ich schreiben? Die Horster Butter war um über 30% teurer. Ergo: sie lag wie Blei im Regal. Was nun? Die Sprüche zum Lippenbekenntnis verkümmern lassen und „billig“ kaufen oder doch die Region fördern?

Was bedeutet es eigentlich, unsere Region unterstützen zu wollen, regional zu handeln und zu kaufen? Bedeutet es, Arbeitsplätze im unmittelbaren Umkreis zu schützen und zu stärken? Im Grunde schon, doch nicht nur. Wenn ich regionale Produkte kaufe habe ich viel mehr als nur ein gutes Gefühl im Bauch. Ich habe die Gewissheit, aktiv in einen Prozess einzugreifen. Ein Prozess, in dem die Menschen Ihre Produkte achtsam herstellen. Ihnen ist es wichtig und sie handeln bewusst nach dem Leitsatz, dass sich ein Produkt niemals nur über den Preis definieren soll. Wer dies tut, der wird schnell mit dem nächsten Billiganbieter konfrontiert. Eine Abwärtsspirale, die schnell zum Mahlstrom werden kann.

Regionale Produkte entstehen, wenn man nachhaltig hergestellte Materialien und Rohstoffe aus der Region menschen- und tierwürdig sowie umweltschonend veredelt und zusammenfügt. Beim abgepackten Fleisch für unter drei Euro pro Kilo sollte eigentlich jeder von uns wissen, dass hier irgendwo die Würde der Menschen – zumindest die der Tiere – auf der Strecke bleibt. Auch die Milch, die 40 Cent je Liter kostet, wird nicht nur auf dem Rücken der Kühe ausgetragen. Viele Bauern haben aufgrund dieser Tiefpreispolitik ihre Höfe geschlossen. Das Resultat: Die Milch wird wieder knapper. Diese Tatsache hat die Realität im Schlepptau, dass Milchprodukte nun wieder teurer werden, und die Butter gehört zweifelsfrei mit zu diesen Produkten. Doch der Rattenschwanz geht weiter: Bäcker- und Konditoreien werden ihre Waren demnächst auch teurer verkaufen müssen, da für dieses Gewerk die Butter eine starke Gewichtung hat.

Schnell hört man Verbraucher sagen, dass wenn man Billigbutter kauft ja auch Arbeitsplätze sichern würde. Und sowieso: wenn kein Geld da ist, dann muss man zu den billigen Produkten greifen. Bedingt trifft diese Aussage zu. Aber wenn man sich die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bezug auf den wöchentlichen Fleischgenuss anschaut, dann wird schnell klar, dass viele von uns über dieser empfohlenen Fleischmenge liegen. Die Gesellschaft rät einen Fleischgenuss von 300 bis 600 Gramm pro Woche. Manche essen diese „Mengen“ am Tag und auch nocht mehr. Aber würde man sich daran halten dann könnten sich viele Konsumenten sogar das viel gesündere Biofleisch leisten und auch die regionale Butter, die hier bei uns von Kühen stammt, die wirklich glücklicher sind als die, die in so manchem Großbetrieb ausgebeutet werden.

Leider ist der Preis eines Produktes immer auch ein Spielgel der Gesellschaft. Würden wir Billigfleisch im Ragal liegen lassen, es würde es in kürzester Zeit nicht mehr geben. Wir, als Verbraucher, dürfen aber den Unterschied zwischen billig und günstig nicht aus den Augen verlieren.

Regionalität hat ihren Preis – doch welchen Preis hat sie wenn man ihn nicht zahlt?