Der Königinnen Macher

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Moin Holstein Herausgeber Thorsten Pahlke traf den Imker Giovanni Carbonetti – Ein Kommentar

(tp) – Ein heißer Sommertag in Horst. Ja, es gibt sie doch noch, diese Tage. Man muss sie nur suchen. Ich traf ganz zufällig den Imker Giovanni Carbonetti aus Sparrieshoop in der Horster Handwerkerallee. Dort kniete er auf einer Wiese und beschäftigte sich mit vielen keinen bunten Holzkästen. Von der Neugierde getrieben ging ich zu ihm und merkte – auch du Schreck – ein großes Gesumme. Bienen. Überall Bienen. Der Imker kam ruhig auf mich zu und lächelte. Dieses Lächeln beruhigte auch mich.

Der sympathische Imker mit italienischen Wurzeln beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Bienen und er zeigte mir seine Arbeit. Wir gingen zu den bunten Holzkisten. Es sind kleine Bienenstöcke die so schön bunt sind, weil die Bienen ihr Zuhause dann besser wiederfinden. Das Summen wird lauter. Die schwarzen Punkte in der Luft zahlreicher. Tief durchatmen und weiter. Hier, an diesem Ort, züchtet Giovanni Königinnen.
Ohne Scheu und ohne Schutz zieht er eine Wabe aus dem Kasten und zeigt mir nach kurzem Blick eine Königin. Mit dem Finger schubst er sanft einige Arbeiterinnen zur Seite und da ist sie, die Mutter aller Bienen. Bis zu 2000 Eier legt sie – pro Tag! Mit ihr steht und fällt das Bienenvolk.

Giovanni züchtet bis zu 500 Königinnen pro Jahr. Mit ihnen wird entweder ein neues Volk gegründet oder ein bestehendes „aufgebessert“. Die Leistung einer Königin nimmt bereits nach einem Jahr erheblich ab und kann sich auf 800 bis 1000 Eier pro Tag reduzieren. Zwar lebe sie bis zu fünf Jahre wird aber von einigen Imkern aufgrund des Leistungsverlustes gerne ausgetauscht.


Giovanni beliefert den Großhandel und so gründen seine Königinnen nicht nur in Deutschland sondern auch in Skandinavien und Griechenland neue Bienenvölker. Besonders bekannt ist Giovanni unter den Imkern in den Kreisen Steinburg und Pinneberg. Wenn einer eine Königin braucht dann ist der Name Giovanni eigentlich unumgänglich. Zwischen 15 und 20 Euro kostet das Insekt.

Seit 15 Jahren züchtet der in Sparrieshoop wohnende Imker Königinnen, sechs Jahre davon in Horst. Bis zu 10 Mal wird er dabei pro Tag gestochen. Es macht ihm allerdings nichts aus. Selbst Stiche in die Augen verkraftet er gut.
„Man muss nur den Stachel schnell genug abschlagen, sonst pumpt das Gift in die Stelle und dann schwillt es an und schmerzt“, erklärt der Routinier.
Mehr Sorgen bereitet Giovanni allerdings das Sterben der Insekten. Neben Milben und Parasiten kämpfen die Bienen auch gegen den Pflanzenschutz. Zwar gehen hier die Meinungen stark auseinander aber neuste wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Bienen auf gewisse Pestizide vergleichbar wie Alzheimer Patienten reagieren. Sie können den mit vielen Informationen behafteten Bienentanz nicht mehr richtig durchführen. Dieser gilt als hochkomplexes Verständigungssystem unter den Bienen. Mithilfe des Tanzes zeigt eine Biene den anderen tänzerisch, wo die besten Blüten stehen. Wird diese Art der Kommunikation gestört kann es bis zum Hungertod des Volkes kommen.

Generell nimmt das Sterben der Insekten größere Ausmaße an. Falter, Fliegen und Heuschrecken findet man nur noch selten. Ein Blick auf die Frontscheibe des eigenen PKW´s reicht aus, um das Ausmaß zu erkennen: Die Scheiben bleiben größtenteils sauber. Vor Jahren waren diese im Sommer stets voll mit „Insektenleichen“. Auch das Umweltministerium warnt vor dem Sterben. In einigen Landstrichen sind die Insekten gegenüber 1982 um bis zu 80 Prozent zurück gegangen. Fehlen die Insekten, hungern die Vögel – ein Teufelskreislauf.