Elternzeit für Kühe

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Vier-Jahreszeiten-Milch jetzt aus muttergebundener Kälberaufzucht

Bio-Landwirte „De Öko Melkburen“ haben auf muttergebundene Kälberaufzucht umgestellt / Kälber bleiben drei Monate bei ihren Müttern / positive Auswirkungen auf das Tierwohl / Tierschutzstiftung „Vier Pfoten“ und Regionalwert AG Hamburg unterstützen das Projekt

Lentföhrden, 8. Februar 2017. Auf den Höfen von „De Öko Melkburen“ bleiben Aufzuchtkälber jetzt drei Monate bei ihren Müttern. Denn die drei Bio-Landwirte aus Schleswig-Holstein haben ihre Betriebe auf muttergebundene Kälberaufzucht umgestellt. Ihre „Vier-Jahreszeiten-Milch“ ist damit bundesweit die erste im Einzelhandel erhältlich Milch, die ausschließlich aus muttergebundener Kälberaufzuch stammt. Das Projekt wird von der Tierschutzstiftung „Vier Pfoten“ begleitet und von der Regionalwert AG Hamburg unterstützt.

In der konventionellen Haltung werden Kälber von Milchkühen schon nach den ersten Lebenstagen von der Mutter getrennt. Das hat für die Landwirte den Vorteil, dass sie die gesamte Milch verkaufen können.

De Öko Melkburen machen es jetzt anders. Geschäftsführer und Landwirt Hans Möller: „Bei uns bleiben alle Aufzuchtkälber drei Monate lang durchgehend in der Herde bei ihren Müttern. So können die Kälber miteinander spielen, aber auch jederzeit bei ihren Müttern trinken.“

Hans Möller von den Öko Melkburen
Hans Möller von De Öko Melkburen

Schon ab dem zweiten Lebenstag probieren die Kälber das erste Gras, so Möller. Nach drei Monaten können sich die Kälber selbst ernähren und werden abgesetzt. Hans Möller: „Wir bringen die Kälber gemeinsam auf eine eigene Weide. Nach zwei bis drei Tagen haben sich Kälber und Mutterkühe daran gewöhnt.“

Martin Lipka, Agrarbetriebswirt für ökologischen landbau bei der Tierschutz-Organisation „Vier Pfoten“, sagt: „Muttergebunde Kälberaufzucht ist aus Tierschutzsicht die optimale Lösung für eine besonders tiergerechte Aufzuchtmethode von Kälbern. ‚Vier Pfoten’ begleitet die drei Betriebe im Prozess der Weiterentwicklung nun schon seit rund zwei Jahren. Wir finden es phänomenal, dass beispielsweise übliche tiergesundheitliche Probleme aus der Milchviehhaltung in diesem System fast gar nicht auftreten. Hier ist die Kuh eine Kuh und ein Kalb ein Kalb. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Jedes Kalb braucht seine Mutter.“

Bei muttergebundener Kälberaufzucht ist die abgelieferte Milchmenge bis zum Absetzen des Kalbs zwangsläufig niedriger. Jedoch werden die Tiere seltener krank. Zum Beispiel gibt es kaum noch typische haltungs- und fütterungsbedingte Krankheiten wie Euterentzündungen und Milchfieber bei den Kühen oder Durchfallerkrankungen bei den Kälbern. Hans Möller: „Dazu kommt: Die aufwändige Fütterung mehrmals am Tag entfällt, und die Kälber entwickeln sich deutlich besser.“

Die Umstellung der Haltung ist mit einer Preiserhöhung um rund 30 Cent für die „Vier-Jahreszeiten-Milch“ der Öko Melkburen verbunden. Der Liter kostet im Einzelhandel jetzt 1,79 bis 1,99 Euro. Ulf Schönheim, Vorstand der Regionalwert AG Hamburg, sagt: „An der Vier-Jahreszeiten-Milch kann man gut sehen, was ein hochwertiges regionales Lebensmittel wirklich kostet. Bei billiger Milch zahlen letztlich einfach nur andere den wahren Preis: Soja-Erzeuger in Südamerika, die Tiere, die Bauern in unserer Region – und letztlich auch die Verbraucher selbst, weil sie ein minderwertiges Produkt bekommen. Aus dieser Milchmädchenrechnung müssen wir raus.“