Was macht eigentlich der Syrer Majd?

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Ein Bericht von Thorsten Pahlke

In der Juniausgabe 2015 der Moin Holstein berichtete ich über den jungen Syrer Majd Mohammed, der zu uns nach Deutschland kam. Ich berichtete über sein Schicksal, seine Flucht, seine Ängste. Mittlerweile ist über ein Jahr ins Land gegangen und ich fragt mich, was Majd in diesen 14 Monaten wohl alles erlebt hat?

Seit dem Bericht von 2015 schreiben wir uns in unregelmäßigen Abständen Nachrichten. Majd besuchte auch schon das Moin Holstein Museum. Er brachte mir sogar ein Feuerzeug aus den 1960er Jahren zur Eröffnung des Büros mit. Er erstand es auf dem Horster Flohmarkt. Ich war echt beeindruckt. Er muss aus der Zeitung erfahren haben, dass ich „alte Sachen“ in meinem Büro ausstelle.

 

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Der Artikel aus dem Jahre 2015

 

Deutschkurs zeigt Erfolg

Im letzen Jahr besuchte Majd einen Deutschkurs in Elmshorn. Täglich wurde er mehrere Stunden über viele Wochen mit unserer Sprache konfrontiert. Mit einem Riesenerfolg! Majd und ich wechselten vom Englische ins Deutsche. Beim ersten Treffen in 2016 musste ich echt grinsen. „Hallo Thorsten, altes Haus“ sagte Majd. „Altes Haus“ habe ich ihm damals beigebracht. Er muss es sich gemerkt haben… Majd spricht deutsch! Irre. Der fremde Mensch aus dem fremden Land spricht meine Sprache. Toll! Innerlich fragte ich mich, ob ich innerhalb dieser Zeit auf arabisch sprechen könnte? Wohl eher nicht.

Anfang des Jahres 2016 rief Majd mich an. Er wollte seinen syrischen Führerschein auf einen deutschen umschreiben lassen und verstand die deutschen Bestimmungen nicht so ganz. Wie denn auch? Selbst ich hatte viele Fragezeichen nach dem Telefonat mit dem Beamten im Kopf. Doch Majd hat alles geschafft, auch die Prüfungsfragen hat er alle mit Bravour bestanden und ist – seit Anfang Juli 2016 – stolzer Besitzer eines deutschen Führerscheins. Mit der Lizenz zum Fahren geht es nun auf die Suche nach einem Auto. Das Budget ist schmal; maximal 500 Euro kann Majd für einen fahrbaren Untersatz ausgeben. Wichtig: Der Wagen sollte mindestens 1 Jahr TÜV haben. Hat einer einen Tipp? (gerne an info@moinholstein.de). Geld für Reparaturen hat der Syrer nicht und Ahnung vom Reparieren (noch) nicht…

Ausbildung zum KFZ-Mechaniker

Derzeit belegt Majd einen weitern Deutschkurs. Dieses Mal werden Fachbegriffe der Automobiltechnik gelernt. Majds größter Wunsch ist es, KFZ-Mechaniker (heute Automobil-Mechatroniker) zu werden. Dabei möchte er unbedingt beim bayerischen Automobilhersteller lernen. „Das ist mein Traum“, so Majd. Eine Ausbildung beim Hersteller aus Stuttgart möchte er – wenn irgend möglich – vermeiden. Zu stark prägte ihn „der Stern“ negativ, da alle Regierungsmitglieder und Schergen um Assad dieses Fahrzeug fahren.

Den speziellen Kurs wird Majd im Januar 2017 beenden. Bis zur Ausbildung 2017 hat es dann noch gut acht Monate Zeit. Diese würde er gerne nutzen um zu jobben. Majd kann PKW bis 3,5 Tonnen fahren und steht somit gerne für fahrerische Tätigkeiten zur Verfügung. Ein Auto sollte der Arbeitgeber stellen. Wer dem jungen Syrer eine Chance geben möchte, der wendet sich bitte an info@moinholstein.de

Gestern besuchte Majd mich im Büro Am Markt 1 in Horst, und es machte sehr viel Spaß mit ihm „zu schnacken“. Doch neben allen seinen positiven Entwicklungen in Sachen Sprache und Ausbildung möchte ich unbedingt noch anmerken, dass sein Wesen, seine Augen, sein Verhalten um 100% ruhiger geworden ist. Vor einem Jahr noch wollte er das Interview erst nicht so richtig. Die Angst vor dem Assad-Regime war omnipräsent. Dieser Zustand hat sich zum Glück geändert und man erkennt sehr gut, dass Majd will. Er will unsere Sprache sprechen, er will Geld verdienen und konsumieren, er will Freunde und Freude haben. Toll, dass ich 1:1 und live miterleben darf, dass es auch andere Geschichten neben den täglichen Meldungen der Großpresse gibt.