Schilderwald wird gelichtet

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Stadtverwaltung und ADAC lichten den Glückstädter Schilderwald

Glückstadt – Wird es gelingen, den innerstädtischen Schilderwald zu lichten und damit gleichzeitig die Verkehrsabläufe im Zentrum der Stadt durch eine deutlich zurückhaltende positive Beschilderung zu optimieren? Nach ersten Stadtrundgängen mit einer Bestandserfassung zu Beginn des Jahres, sind sich Elke Bertram und Jürgen Kewitz vom Glückstädter Ordnungsamt sowie der ADAC-Verkehrs-Ingenieur Carsten Carstensen sicher, dass der unübersichtliche in der Elbestadt allgegenwärtige Schilderwust schon bald der Vergangenheit angehört.

„Rund 650 Verkehrszeichen finden sich in der Straßenverkehrsordnung (StVO) und davon regeln allein 10 Prozent nur das Parken auf Gehwegen“, verdeutlich Hans-Jürgen Feldhusen, Vorstandsmitglied für Verkehr und Technik des ADAC Schleswig-Holstein.

Es seien letztlich die vielfältigen, bis zu 1800 möglichen Kombinationen, die den Verkehrsteilnehmer schlicht überfordern. Diese auch in Glückstadt anzutreffende Überbeschilderung führe gerade auf Hauptverkehrsstraßen dazu, dass wichtige Verkehrszeichen nicht mehr wahrgenommen und deshalb auch nicht beachtet werden.

Dass weniger oftmals mehr bringen kann, wollen Stadtverwaltung, Bauausschuss und Polizei sowie der ADAC jetzt in einem etwa dreiwöchigen Versuch testen. Hierzu werden am Dienstag, den 09.08.2016, in der Innenstadt diverse das Halten und Parken regelnde Verkehrszeichen abgedeckt beziehungsweise umgestellt. Hierzu gehören auch zahlreiche negative Haltverbotsschilder, die später im Rahmen eines neuen Parkzonen-Konzeptes wegfallen würden. „Die Anzahl der Verkehrszeichen ließe sich noch einmal deutlich reduzieren, wenn die bereits in der Innenstadt geltenden 30er-Zonen auch noch auf die vier Flethachsen übertragen werden“, lautet ein weiterer Vorschlag von Carsten Carstensen. Ob sich dieser tatsächlich umsetzen lässt, bleibt abzuwarten. Grund ist, dass hierfür eine Anordnung der Verkehrsaufsichtsbehörde des Kreises Steinburg gebraucht wird. Und die darf der Kreis für eine innerstädtische Hauptverkehrsstraße wie den Fleth auf von Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrsordnung offenbar nicht erteilen. Deshalb hat die Stadt jetzt den Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr in Kiel mit der Bitte um Prüfung angeschrieben, ob man nicht einmal als Pilotprojekt für die Historische Innenstadt eine Ausnahme zulassen könne.

Sollte das von Stadt und ADAC angedachte Konzept letztendlich eins zu eins umgesetzt werden können, hat Bürgermeisterin Manja Biel bereits zwei Zahlen im Petto. 20 neue Schilder würden in der Innenstadt dazukommen. Im Gegenzug fallen jedoch über 170 Verkehrszeichen weg, die weder umgefahren, übergeklebt oder später altersbedingt ersetzt werden müssen.

Aus Sicht des ADAC und dessen Verkehrsingenieur Carsten Carstensen würde nur eine umfassende und grundlegende Neukonzeption der Regelungen und damit Beschilderung für den ruhenden Verkehr weiterhelfen. Dabei müsse es auch Ziel sein, Verkehrsteilnehmern nicht ihre Handlungssouveränität zu nehmen und ihnen deutlich weniger Verbote aufzuerlegen. „Wichtiger ist, Verkehrsteilnehmern zum Beispiel durch ein Parkleitsystem eindeutig anzuzeigen, wo sie ihr Fahrzeug mit gutem Gewissen sicher parken können“, sagt Carstensen. Die Menschen sollten bereits am Rande der Stadt ‚abgeholt’ und zu geeigneten Parkständen hingeführt werden; das vermeidet einerseits emissionsträchtige Parksuchverkehre und führt andererseits dazu, dass Besucher und Gäste der Stadt nicht gleich wieder genervt den Rücken kehren, weil sie keinen Stellplatz finden, ist der ADAC-Experte überzeugt.

Und nicht zuletzt würden neben Glückstadt-Besuchern auch alle Glückstädterinnen und Glückstadt sowie die Wirtschaft und das historische Stadtbild von einer Optimierung der Verkehrsabläufe durch Lichten des Schilderwaldes profitieren.