Pokémon go: Moin Holstein fragt nach

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Mika, Tjark und Finn jagen Pokémons

Ein Bericht von Thorsten Pahlké(mon)

Horst (tp) – Ein Raunen geht derzeit durch unseren Alltag wenn das Wort „Pokémon“ fällt. Kein anderes Wort – in diesem Fall ein Handygame – spaltet die Nation wie dieses. 50% finden das Spiel „der Hammer“, die andere Hälfte verflucht das Game und die Spieler, die „wie Zombies stets auf das Smartphone glotzend die Umwelt gar nicht mehr wahrnehmen“…

Am Gebäude des Moin Holstein Büros (Am Markt 1) versammen sich seit ein paar Wochen in unregelmäßigen Abständen Jugendliche. Meist immer nur für eine Viertelstunde. Dann sind alle wieder weg. Wir fragten nach und siehe da: Das Service-Gebäude Am Markt 1 bietet den Pokémon go Spielern einen PokeStop. Bitte was? Ja, einen PokeStop. Das ist ein Punkt, an dem die Spieler unterschiedliche Sachen „einsammeln“ können. Sachen, die für das Spiel von Bedeutung sind. So können beispielsweise Pokébälle, Eier oder Beleber eingesammelt werden.

„Die Bälle braucht man, um Pokémons zu fangen“, weiß Tjark zu berichten. Der junge Horster ist in Stufe 6 des Spiels und somit kann er sich auch in den Arenen mit anderen Spielern messen. In Horst gibt es zwei Arenen. Beide natürlich nur visuell. Die eine befindet sich in der Elbmarschenhalle, die andere in der alten MTV Turnhalle. Hier können sich die Spieler mit anderen messen. Gemessen wird sich mit den Pokémons. Die stärksten gewinnen und stark machen kann man sie, indem man die lustigen Kämpfer hegt und pflegt.

Die historische Infotafel am Gebäude Am Markt 1 ist ein PokeStop
Die historische Infotafel am Gebäude Am Markt 1 ist ein PokeStop

Die „Horster Gang“, die ich kurzerhand „einfing“ um zu befragen, berichtete mit leuchtenden Augen über das Spiel. Zwischen 15 bis 20 Kilometer gehen die jungen Jäger durch die Weltgeschichte. Stets nur ein Ziel vor Augen: Pokémons jagen und fangen.

Was viele ärgert, erfreut auf der anderen Seite ebenso viele. Doch warum? Die Jugendlichen bewegen sich! Sie tun jetzt genau das, was „die Alten“ immer von der Jugend von heute fordern: Bewegt Euch und geht raus. Eigentlich ist es umso unverständlicher, dass viele gegen das Spiel sind. Vielleicht ist es die Unwissenheit? Vielleicht auch, weil die Spieler sichtlich ihre Umwelt auszuklammern scheinen. Optisch zumindest. Das ständige Glotzen auf das Handy scheint anderern Personen  Angst zu machen – oder zumindest eine Art der Unbehaglichkeit aufkommen. Mich erinnert es spontan an die Zeit, in der der Walkman die Welt der Jugend der 1980er Jahre eroberte. Da hieß es schnell, dass die jungen Kerle nur noch Musik im Kopf haben und die Umwelt gar nicht mehr wahrnehmen würden. Man könne keine Autos mehr hören usw.

Den Faktor Sicherheit im Straßenverkehr merkte ich ebenfalls bei den Jungen an. Sie bekommen immer Instruktionen von Ihren Eltern. Zudem muss man nicht immer auf das Handy schauen, eine Vibration lässt fühlen, wenn ein Pokémon in der Nähe ist. Von einem Vater aus Horst hörte ich sogar, dass sein Sohn im Grunde gar nicht mehr vor der Glotze hängt. Ein Zustand, der vor Pokémon go undenkbar war. Nun werden sogar „Schleswig-Holstein Tickets“ von der Deutschen Bahn gekauft und Zugreisen durchs Land unternommen. Nach dem Motto „Lübeck ist schön – und die Pokémons dort auch“ schafft das Game etwas, was eigentlich das Pro und Contra des Spiels miteinander zu einer identischen Schnittmenge verschmelzen lassen müsste: Es beflügelt unsere Jugend wieder freiwillig vor die Tür zu gehen UND sich auch zu bewegen. Auch meine Jungs kommen täglich verschwitzt zum Wassertrinken nach Hause und erzählen mir, dass sie nur noch drei Kilometer gehen müssen und dann bekommen sie ein neues Pokémon Ei. Hallo? Den Satzteil „nur noch drei Kilometer“ gab es vor der Zeit „Pokémon go“ bei meinen Kids nicht! Wer das nicht mag, der hat entweder selber keine Kinder und/oder liebt das notorische Nörgeln.