Historisches Horst: Der Schuster Meyn

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Horst (tp) – Die Horster Geschäftswelt war in scheinbar längst vergangenen Jahren sehr viel reger gewesen. Nahezu unzählige Geschäfte reihten sich aneinander. Besonders in der Bahnhofstraße  waren viele Geschäfte ansässig. Bäckereien, Juweliere, Friseure, Gasthäuser und auch der Schuhmachermeister Johannes Meyn. Sie wussten es nicht? Wir auch nicht, bis Herr Jens Meyn in das Moin Holstein Museums Büro kam und ein uraltes Firmenschild mitbrachte. Auf diesem steht geschrieben „Johs. Meyn – Schuhmachermeister“. Das Schild gehörte seinem Vater Johannes Meyn und dieser betrieb eine Schusterei in Horst. Genauer gesagt in der Bahnhofstr. 39.

Das Meyn Haus heute

Das Schild weckte unsere Neugierde und wir blätterten in den vielen Horster Büchern nach denn wir  wollten mehr über die Schusterei Meyn erfahren. Zunächst fanden wir nichts – doch dann wurden wir in den veröffentlichten Chroniken „Horst in Holstein eins und jetzt Band I & II“ fündig.  Auf der Seite 202 (Band I) erwähnte der Herausgeber Pastor Detlef Juhl, dass im Jahre 1644 Hinrich Mohr als erster Horster Schuster genannt wurde. Des weiteren wurde auch Paul Meyn erwähnt, der seit 1894 das Handwerk des Schusters in Horst ausübte. Auf der Seite 303 geht es im 2. Band weiter. Auch im Horst Lexikon ist auf der Seite 319 zu lesen, dass Horst zur Spitzenzeit im Jahre 1864 ganze 13 Schuster hatte.

Mit den Informationen, die aus den Büchern gewonnen werden konnten, gaben wir uns auch noch nicht zufrieden. Wir besuchten Jens Meyn in der Bahnhofstraße und fragten weiter nach. Zusammen mit Johannes Mey (Vater von Jens Meyn) schrieben wir folgende Geschichte auf:

Das Haus an der Bahnhofstr. 39 baute Paul Meyn in den Jahren 1901 bis 1903. Dort gab es ab 1903 eine Schusterwerkstatt und ein Lederlager im Obergeschoss des Hauses. Zu dieser Zeit – das Schuhandwerk boomte – hatte Schustermeister Paul Meyn zwischen drei bis vier Gesellen im Horster Betrieb beschäftigt.

Im Mai 1903 wurde Johannes Meyn geboren. Johannes machte 1925 seinen Schustermeister und übernahm das Geschäft und baute dies aus. Unter seiner Leitung wurde auch der Verkauf von Schuhartikeln wie Schnürsenkel und Pflegemittel eingeführt. Zigarren und Zigaretten wurden ebenfalls angeboten.

Altes Schusterwerkzeug. Liegt nun im Moin Holstein Museum aus
Altes Schusterwerkzeug. Liegt nun im Moin Holstein Museum aus

Als der Nachfolger Paul Michel Meyn den Betrieb übernahm (1960er Jahre) waren die Zeiten schon härter geworden. Der Verdienst war wesentlich geringer und erste Schuhmacher schlossen ihren Betrieb. Unter anderem auch in Lägerdorf und Wacken. Hier fuhr Meyn wöchentlich mit dem Fahrrad (Lägerdorf) und später mit dem Moped (Wacken) zu den Kunden und sammelte Schuhe zum Reparieren ein. Als auch diese Aktion das finanzielle Überleben nicht mehr sichern konnte arbeitete Paul Michel Meyn als Milchkontrolleur bei der Horster Meierei nebenbei. Im Jahre 1986 wurde dann der Schumacherbetrieb geschlossen und die Selbstständigkeit aufgegeben. Der Meister verdiente dann als Maschinenführer bei der Elmshorner Kaffeefabrik sein Geld.

Dieser Artikel stammt aus der neuen Serie „Historisches Horst“, die in der neuen Moin Horst erscheint. Anfang kommender Woche erscheint die Moin Horst 2. Da wird der Bierverlag Nöhren unter die Lupe genommen.

Moin Horst kostet Euro 3,90 und gibt es bei Edeka Hennings, Runow & Blumen Hachmann