Nur im Notfall in die Notaufnahme! Mitarbeiter werden bedroht

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Der Name sagt es eigentlich schon: NOTaufnahme
Lange Wartezeiten aufgrund hohen Patientenaufkommens
Mitarbeiter werden beschimpft und sogar bedroht

 

Itzehoe – Der lästige Husten will nicht aufhören oder das Ziehen im Rücken ist auch nach vier Wochen noch nicht wieder von alleine verschwunden – also entschließt sich der Patient, einen Arzt aufzusuchen. Gut aufgehoben wäre er in solchen Fällen beim Hausarzt oder außerhalb dessen Sprechzeiten in der Anlaufpraxis der niedergelassenen Ärzte.

Doch immer mehr Menschen wählen stattdessen den Weg in die Unfallambulanz und Zentrale Notaufnahme im Klinikum Itzehoe. „Viele glauben, dass ihnen hier schneller geholfen wird“, weiß der Ärztliche Direktor Dr. Michael Kappus. Doch das ist ein Trugschluss. Denn in der Notaufnahme konkurrieren die Patienten mit allen anderen Notfällen. „Wir sind verpflichtet, jeden Patienten anzuschauen und tun das natürlich auch“, betont Kappus. „Aber die Behandlung erfolgt nach der Dringlichkeit.“ Das kann bei Patienten mit leichteren Erkrankungen zu stundenlangen Wartezeiten führen – obwohl das Personal bereits aufgestockt wurde.

Der Anteil der Patienten, die nicht zwingend in der Notfallambulanz vorstellig werden müssten, liege inzwischen bei mindestens 30 Prozent, sagt Kappus. „Ab Freitagmittag boomt es in den Ambulanzen.“ Aber es meldeten sich durchaus auch mitten in der Nacht Menschen, weil sie seit sechs Wochen Rückenschmerzen haben. „Einige begründen es sogar ganz offen damit, dass sie nicht so lange auf einen Termin bei einem niedergelassenen Arzt warten wollen“, berichtet der Ärztliche Direktor. Der Weg dorthin bleibt ihnen allerdings auch nach einem Besuch der Notaufnahme nicht immer erspart. „Wir klären notfallartig ab, dass keine schlimme Erkrankung hinter den Beschwerden steckt“, erklärt Kappus. „Aber es muss zum Teil ambulant weiterbehandelt werden. Bei fortlaufenden Beschwerden muss der Patient noch einmal den Arzt aufsuchen.“ Manches lasse sich auch nicht beim ersten Ansehen feststellen. „Es gibt zum Beispiel Knochenbrüche, die erst zu einem späteren Zeitpunkt entdeckt werden können, obwohl keine Fehlbehandlung vorliegt.“

Das Verständnis der Patienten für die Problematik sei oft gering. Gerade in jüngster Zeit seien wieder gehäuft Beschwerden aufgrund eines extrem hohen Patientenaufkommens eingegangen. Bei sachlicher Kritik bleibt es dabei nicht immer. „Es werden immer wieder Mitarbeiter beschimpft oder sogar bedroht“, sagt Kappus. „Das alles macht die Arbeit für die Mitarbeiter in den Ambulanzen wirklich sehr schwierig.“ Er appelliert deshalb an die Patienten, „zu überlegen, ob sie mit einer Bagatelle wirklich in die Notaufnahme gehen müssen oder ob sie nicht warten können, bis der Hausarzt wieder geöffnet hat“.